David Korsten
Autor und Journalist

#Bücher

Verständnis für Herrn Schulz

von
Martin Häusler präsentiert Buch über den Kanzlerkandidaten

in: Kölnische Rundschau, 24. Juni 2017

Köln. Ende Januar zeigte der Spiegel Martin Schulz als „Sankt Martin“ – der Beginn des Hypes um den SPD-Kanzlerkandidaten. Kurz darauf begann der Journalist Martin Häusler mit seinem Buch „Verstehen Sie Schulz“, das er jetzt in der Buchhandlung Blücherstraße vorstellte. „Ich wollte keine weitere Schulz-Biographie verfassen“, sagte er.

Es sei ihm um die Psychologie des Familiensystems gegangen, um die „formgebenden Kräfte“ – dazu sprach er mit Schulz, mit dessen Geschwistern, Weggefährten, aber auch Psychologen und Psychoanalytikern. Eine zentrale Rolle bei den Recherchen spielte Walter Schulz, der ältere Bruder des Kandidaten und selbst SPD-Politiker in Köln. Im Dialog mit dem Autor gab er den Zuhörern Einblicke in die Familiengeschichte.

Überforderung trieb Schulz in die Alkoholsucht

Die erfuhren, wie traumatisch der plötzliche Tod des Großvaters für die Familie gewesen sei – nur anderthalb Tage nach der Geburt von Martin Schulz, der dann dessen Vornamen erhielt. Prägend auch die dominante Mutter, Adenauer-Fan und verhinderte Politikerin, die nichts mehr liebte als hitzige politische Debatten am Essenstisch, während der Vater lieber Musiker als Polizist geworden wäre. Lange habe Martin Schulz mit seinem unausgesprochenen „Familienauftrag“ gerungen, die verpassten Möglichkeiten der Eltern zu verwirklichen.

Die resultierende Überforderung habe ihn in die Alkoholsucht getrieben, von der er sich nach einem Klinikaufenthalt befreien konnte. Das Bild, das Häusler von Martin Schulz entwirft, ist überzeugend und facettenreich, nur nicht immer ganz frei von Pathos. Um Wahlkampf gehe es ihm nicht mit dem Buch, so Häusler, sondern darum, Martin Schulz in seinem Werden verständlicher zu machen. Als Walter Schulz erzählt, wie wichtig dem Bruder Familie, Heimatstadt und Austausch mit den Menschen seien, fügte sich das in die vorherigen Schilderungen – so ein bisschen Wahlkampf war es am Ende aber dann doch.