in: KölnerLeben, Juni/Juli 2017

Zum Stadtbezirk Mülheim gehört das Veedel Dünnwald. Dort sind Vergangenheit und ehrenamtliches Engagement sehr vital.

Wer sich mit dem Stadtteil im Nordosten der Stadt befasst, dem begegnet die Geschichte auf Schritt und Tritt: Die Anfänge gehen zurück auf eine Klostergründung im Jahr 1117, sodass Dünnwald in diesem Jahr sein 900-jähriges Bestehen feiert. Der hier beheimatete Wildpark ist Anziehungspunkt und Naherholungsgebiet, auch für viele Besucher aus Köln und Umgebung. An schönen Wochenenden besuchen zahlreiche junge und alte Spaziergänger die Tiere, füttern Wildschweine und Damwild und betrachten staunend die vom Aussterben bedrohten Wisente. Gefragt, was Dünnwald für sie ausmache, antwortet eine 68-jährige in Dünnwald wohnende Besucherin entschieden: „Die Großstadtstille!“

Das Waldbad Dünnwald liegt gleich neben Wildpark, Campingplatz und Minigolfanlage. Auch hier tauchen Besucher in die Geschichte ein. 1923 gegründet, ist es bis heute das älteste – und einzige – Kölner Schwimmbad in privater Trägerschaft. In den Sommermonaten kühlen sich die Schwimmer in den Becken ab. Immer wieder spielen dort Kölschrock-Bands wie die Brings und die Bläck Fööss, und der Biergarten ist bei gutem Wetter ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt.

Generationen verbinden, Netzwerkarbeit verstärken

Ein Blick in die Statistik zeigt: In Dünnwald wohnen überdurchschnittlich viele unter 18-Jährige und gleichzeitig überdurchschnittlich viele Menschen, die älter als 65 Jahre alt sind. Die „Alteingesessenen“ leben oft seit mehreren Generationen in dem rechtsrheinischen Stadtteil. „Wir bemühen uns daher sehr um generationenverbindende Angebote“, sagt Pater Ralf Winterberg, Sozialpädagoge und Priester der Gemeinde Heilige Familie Dünnwald-Höhenhaus. Bei ihm laufen viele Fäden im Veedel zusammen. Eine seiner wichtigsten Aufgaben sei es, die zahlreichen Initiativen miteinander zu vernetzen.

Bei der von Bürgerinnen und Bürgern getragenen Flüchtlingshilfe etwa funktioniere das sehr gut, sagt Pater Ralf. Sie erhalte von der Gemeinde Räume, Autos, und neben Geld auch Hilfe bei der Koordination der Ehrenamtler. Freiwillige Helfer sind es auch, die das „BringMich“-Mobil der Gemeinde betreiben. Dünnwalder, die selbst nicht mehr mobil sind, können den Fahrdienst kostenlos nutzen. Allerdings sei der Zuspruch eher verhalten, sagt Pater Ralf. Das liege möglicherweise auch daran, dass Interessierte sich einige Tage im Voraus melden müssen.

„Eine intensive Netzwerkarbeit wäre insbesondere für das Quartier Donewald wichtig“, erzählt Gerhard Still, Geschäftsführer der Christlichen Sozialhilfe Köln. Dort wohnen vor allem Senioren und Familien mit Kindern. Für sie bietet die 1996 auf der grünen Wiese gebaute Siedlung kaum Infrastruktur. Arztpraxen oder auch nur ein Lebensmittelgeschäft sucht man dort vergebens. Eine Eisenbahnlinie trennt Donewald vom übrigen Dünnwald und wirkt wie eine Grenze. Hier gelte es, Brücken zu bauen, gerade für ältere Menschen. Eine Stelle für seniorenbezogene Quartiersarbeit sei zwar bereits finanziert, aber derzeit vakant.

Erfolgreiches Engagement von Jung und Alt

Ein Beispiel für gelingende Stadtteilarbeit ist das Café „mittendrin“, zentral an der Berliner Straße gelegen. Unter dem Slogan „Butterbrote und Begegnung“ gründeten vor acht Jahren engagierte Dünnwalder Bürger mit Unterstützung der örtlichen katholischen und evangelischen Kirchengemeinden die Begegnungsstätte. Heute sind etwa 40 Ehrenamtler, die meisten von ihnen älter als 65 Jahre, dort regelmäßig aktiv. Im Café treffen sich die Generationen, die älteren Dünnwalder regelmäßig auch zu Gesprächskreisen, Trauergruppe oder Tanzkurs. „Wir haben hier wirklich eine bunte Mischung an Leuten“, sagt Ehrenamtsentwickler Burkhard Brücker, der das Café leitet und die Helfer koordiniert.

Seit 2014 gibt es eine Demenz-Wohngemeinschaft in Dünnwald. Senioren werden hier von einem Pflegedienst ambulant betreut, nach dem Motto „nicht allein und nicht ins Heim“. Ins Leben gerufen hat das Wohnprojekt die Antoniter Siedlungsgesellschaft (ASG) des evangelischen Kirchenverbands Köln und Region. Eine auf alternative Wohnformen spezialisierte Agentur hilft bei rechtlichen und organisatorischen Fragen. Eine Besonderheit der Demenz-WG: Die Angehörigen der momentan acht Bewohner gestalten das Projekt intensiv mit, haben Mitspracherecht bei allen Fragen rund um Betreuung und Versorgung ihrer Verwandten.

Doch auch die Jungen sind aktiv in Dünnwald. Markus Wernet, 25, kam eher aus Zufall mit dem nordöstlichen Stadtteil in Berührung. Als der technikbegeisterte Student erfuhr, dass das 1929 errichtete Bahn-Stellwerk an der Rönsahler Straße stillgelegt ist, entschloss er sich, dort ein Museum für Eisenbahntechnik zu errichten – das erste in Deutschland. „Wir wollen unsere Begeisterung für die Technik weitergeben“, erläutert Wernet. Das Museumsprojekt und die örtlichen Initiativen zeigen: Nach 900 Jahren ist die Geschichte Dünnwalds noch längst nicht zuende.