Museum Ludwig: WDR-Dokumentation blickt zurück auf 40 Jahre „Rockpalst-Nacht“

in: Kölnische Rundschau, 23. Juli 2017

Köln. Essen, April 1979. 10 000 Zuschauer bringen die Grugahalle beinahe zum Platzen. Die vierte Ausgabe der „Rockpalast-Nacht“ war der Durchbruch für die junge Live-Sendung rund um Rockmusik. Sängerin Patti Smith war, sichtlich berauscht, nicht mehr in der Lage, den Moderatoren Alan Bangs und Alfred Metzger ein Interview zu geben – was diese jedoch nicht aus der Fassung brachte. „I’ve lost my mind in Essen“, sagte Smith damals, und so lautet auch der Titel einer 60-minütigen WDR-Dokumentation, die das Filmforum im Museum Ludwig jetzt vorab zeigte.

Der titelgebende Ausschnitt macht klar: Bei der mehrstündigen Live-Sendung ließ sich kaum etwas kontrollieren. Mitch Ryder etwa ärgerte es, dass er erst spät nachts auftreten und noch vor der Show interviewt werden sollte. Die Wartezeit füllte er mit reichlich alkoholischen Getränken. Auch bei solchen Eskapaden blieben die Moderatoren cool.

U2 kamen durch Rockpalast-Auftritt zu Weltruhm

Der Autor des Films Oliver Schwabe zeichnet anhand von Interviews und Archiv-Material die Geschichte der Kult-Sendung nach, von der ersten „Rockpalast-Nacht“ 1977 bis zur letzten Ausgabe 1986. Viele Bands kamen nach dem Auftritt in der europaweit ausgestrahlten Sendung erst richtig groß raus. U2 zum Beispiel traten 1983 beim „Rockpalast-Loreley-Festival“ auf, wenig später kamen sie zu Weltruhm. In der Dokumentation berichten einige der Musiker von ihren Auftritten, darunter Wolfgang Niedecken, Mother’s Finest, Billy Gibbons von ZZ Top und Stewart Copeland von The Police.

Auch die „Rockpalast“-Macher kommen zu Wort. Sie schildern mit viel Witz und Selbstironie, was für ein Abenteuer die neuartige Sendung war – auch für den Sender WDR, der ihnen viele Freiheiten ließ. Der Film ist, ohne dies explizit zu thematisieren, auch eine Hommage an Rockpalast-Erfinder Peter Rüchel, der in diesem Jahr 80 Jahre alt wurde. Die Dokumentation fängt den anarchischen Geist des „Rockpalast“ ein, ohne Macher und Musiker zu glorifizieren.

Interne Konflikte kommen ebenso zur Sprache wie die Tatsache, dass Mitte der 1980er Jahre die Zeit der langen Rock-Nächte vorbei war. Das Format „Rockpalast“ existiert jedoch noch heute. Zu Beginn des Filmprojekts sei er skeptisch gewesen, erzählte Peter Rüchel im Gespräch nach der Vorführung des Dokumentarstreifens. Vom Ergebnis aber sei er wirklich begeistert.