Kölner Projekt experimentiert mit Biomasse aus Pappeln

in: Kölnische Rundschau, 11. Januar 2018

Krachend knicken die Pappeln ab, als die Maschine die Baumreihen abfährt. Zu Hackschnitzeln zerteilt gelangen sie über ein Rohr direkt in den großen, roten Anhänger, der neben der Schneidemaschine herfährt. Was zunächst wie Umweltfrevel aussieht, ist das genaue Gegenteil: Im Waldlabor an der Bachemer Landstraße – ein Gemeinschaftsprojekt von Stadt, Rheinenergie und Toyota – werden seit 2010 auf knapp sieben Hektar Fläche schnellwachsende Bäume wie Pappeln und Weiden angepflanzt.
Die Beteiligten wollen herausfinden, inwiefern sich der nachwachsende Rohstoff zur umweltschonenden Energieerzeugung eignet – und nach der ernsten Ernte 2014 rückten die Traktoren nun zum zweiten Mal aus. „Dieses Mal ist das schon anspruchsvoller“, erklärt Michael Hundt, Förster der Stadt Köln. Die Baumstämme seien inzwischen dicker und hätten Seitenäste gebildet.

„Nach wie vor ein Experimentierfeld“

„2010 haben wir das Projekt gestartet“, sagt Frank Lohrberg, Professor für Landschaftsarchitektur an der RWTH Aachen. Er erforscht im Äußeren Grüngürtel, ob Energiewälder auch in Stadtnähe möglich sind. Pappeln seien besonders gut geeignet. „Die Holzhackschnitzel werden auf Biomasse-Kraftwerke in der Region verteilt“, sagt Tilo Dumuscheit von der Abfallentsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (AVG).

Ein eigenes Holzkraftwerk gibt es in Köln nicht: 2014 scheiterte die Initiative der Rheinenergie, in Merheim eine solche Anlage zu errichten – durch eine Änderung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) war das Kraftwerk nicht wirtschaftlich zu betreiben. „Der Anteil der Bioenergie liegt bei etwa sieben bis acht Prozent, und davon entfällt nur ein kleiner Teil auf Biomasse“, sagt Jan Stertkamp, der bei der Rheinenergie die erneuerbaren Energien verantwortet. Und Markus Bouwmann, Leiter der städtischen Forstverwaltung, betont: „Es ist nach wie vor ein Experimentierfeld.“

Bei der ersten Ernte vor vier Jahren kamen circa 360 Tonnen Holzhackschnitzel zusammen. Sie könnten knapp 100.000 Liter Heizöl ersetzen und zum Beispiel rund 60 Einfamilienhäusern ein Jahr lang Strom und Wärme liefern. Dieses Jahr rechnen die Projektbeteiligten mit größerer Ausbeute. Zwei Tage lang ernten die Maschinen die Pappelreihen am äußeren Grüngürtel ab, während im Hintergrund das Braunkohlekraftwerk Neurath Wolken in die Luft bläst.