David Korsten
Autor und Journalist

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Ein Stück Rock- und TV-Geschichte

von

Museum Ludwig: WDR-Dokumentation blickt zurück auf 40 Jahre „Rockpalst-Nacht“

in: Kölnische Rundschau, 23. Juli 2017

Köln. Essen, April 1979. 10 000 Zuschauer bringen die Grugahalle beinahe zum Platzen. Die vierte Ausgabe der „Rockpalast-Nacht“ war der Durchbruch für die junge Live-Sendung rund um Rockmusik. Sängerin Patti Smith war, sichtlich berauscht, nicht mehr in der Lage, den Moderatoren Alan Bangs und Alfred Metzger ein Interview zu geben – was diese jedoch nicht aus der Fassung brachte. „I’ve lost my mind in Essen“, sagte Smith damals, und so lautet auch der Titel einer 60-minütigen WDR-Dokumentation, die das Filmforum im Museum Ludwig jetzt vorab zeigte.

Der titelgebende Ausschnitt macht klar: Bei der mehrstündigen Live-Sendung ließ sich kaum etwas kontrollieren. Mitch Ryder etwa ärgerte es, dass er erst spät nachts auftreten und noch vor der Show interviewt werden sollte. Die Wartezeit füllte er mit reichlich alkoholischen Getränken. Auch bei solchen Eskapaden blieben die Moderatoren cool.

U2 kamen durch Rockpalast-Auftritt zu Weltruhm

Der Autor des Films Oliver Schwabe zeichnet anhand von Interviews und Archiv-Material die Geschichte der Kult-Sendung nach, von der ersten „Rockpalast-Nacht“ 1977 bis zur letzten Ausgabe 1986. Viele Bands kamen nach dem Auftritt in der europaweit ausgestrahlten Sendung erst richtig groß raus. U2 zum Beispiel traten 1983 beim „Rockpalast-Loreley-Festival“ auf, wenig später kamen sie zu Weltruhm. In der Dokumentation berichten einige der Musiker von ihren Auftritten, darunter Wolfgang Niedecken, Mother’s Finest, Billy Gibbons von ZZ Top und Stewart Copeland von The Police.

Auch die „Rockpalast“-Macher kommen zu Wort. Sie schildern mit viel Witz und Selbstironie, was für ein Abenteuer die neuartige Sendung war – auch für den Sender WDR, der ihnen viele Freiheiten ließ. Der Film ist, ohne dies explizit zu thematisieren, auch eine Hommage an Rockpalast-Erfinder Peter Rüchel, der in diesem Jahr 80 Jahre alt wurde. Die Dokumentation fängt den anarchischen Geist des „Rockpalast“ ein, ohne Macher und Musiker zu glorifizieren.

Interne Konflikte kommen ebenso zur Sprache wie die Tatsache, dass Mitte der 1980er Jahre die Zeit der langen Rock-Nächte vorbei war. Das Format „Rockpalast“ existiert jedoch noch heute. Zu Beginn des Filmprojekts sei er skeptisch gewesen, erzählte Peter Rüchel im Gespräch nach der Vorführung des Dokumentarstreifens. Vom Ergebnis aber sei er wirklich begeistert.

Politiker sollen authentisch sein

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Rund 80 Jugendliche diskutieren mit OB Henriette Reker über ihre Themen

in: Kölnische Rundschau, 3. juli 2017

Köln. Die angebliche Politikverdrossenheit der „Generation Smartphone“ ist ein Klischee. Das wurde einmal mehr klar bei der Diskussionsrunde „#sagshenriette“. Im Biergarten am Aachener Weiher diskutierte Oberbürgermeisterin Henriette Reker am Samstagnachmittag mit etwa 80 Jugendlichen. Im Zuge der Veranstaltungsreihe „Mission Köln – Misch mit für die Zukunft Deiner Stadt“ möchte die Stadt herausfinden, wie sie junge Menschen nicht nur für Politik interessieren, sondern auch tatsächlich an Entscheidungen beteiligen kann. Welche Themen sind jugendlichen Kölnern wichtig? Welche Beteiligungsformen wünschen sie sich? OB Reker sagte, ihr gehe es vor allem darum, möglichst viele Jugendliche zu erreichen – und nicht nur diejenigen, die sich ohnehin schon engagieren.

Schüler wollen authentische Politiker

Die Teilnehmerin Céline etwa schlug vor, man solle doch mit einer Umfrage in den Schulen zuerst einmal die wichtigsten Themen ermitteln. OB Reker verwies auf eine breit angelegte Jugendbefragung, die für das nächste Jahr geplant ist. Joram Eickhoff von der Bezirksschülervertretung Köln meinte, dass sich alle Schüler in der Schülervertretung ihrer Schule engagieren können. Das einfachste sei es, „dort einfach mal vorbeizukommen“. Einige Jugendliche fanden, politische Beteiligung dürfe nicht so „lehrermäßig rüberkommen“, keine Pflichtveranstaltung sein. Es beeindrucke sie besonders, wenn sie sähen, dass man auch tatsächlich etwas erreichen könne.

Andere berichteten von ihren Initiativen, etwa vom Grafitti-Projekt „MittwochsMaler“ oder vom Debattierclub Chorweiler. Große Zustimmung erhielt das Statement eines Jugendlichen, dass „Politiker ,fresh‘ sein sollten“. Sie sollten auf schwierige Fachbegriffe verzichten, „authentisch“ sein.

„Ich nehme ganz viel Hoffnung für unsere Zukunft mit“, sagte OB Reker. Sie sei beeindruckt davon, wie viele Jugendliche sich freiwillig um die unterschiedlichsten Themen kümmern. Die Veranstaltung soll im nächsten Jahr wieder stattfinden. Auffällig war bei der Diskussion allerdings, dass die Mädchen zwar in der deutlichen Mehrheit waren, die Jungen aber häufiger das Wort ergriffen.

Späte Ehrung für eine starke Frau

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Familiengrab von Louise Straus-Ernst erhält Inschrift
in: Kölnische Rundschau, 26. Juni 2017

Köln. Eben noch von einem schwarzen Tuch mit weißem Davidstern verhüllt, zeigt der Grabstein nun folgende Inschrift: „Dr. Luise Straus-Ernst, geb. 2.12.1893 in Köln, ermordet 1944 in Auschwitz“. Es war eine feierliche Zeremonie, die da am Sonntag auf dem jüdischen Friedhof in Bocklemünd in Gedenken an die Kunsthistorikerin, Journalistin und Künstlerin stattfand. Ihr Name ziert jetzt als vierter das Familiengrab, in dem bereits Luises Vater Jakob, Mutter Charlotte und ihr Bruder Richard begraben sind.

Erste Ehefrau von Max Ernst

Die Initiative für die in Stein gemeißelte Ehrung ging aus von Amy Ernst, Luises Enkelin und selbst als Künstlerin in den USA tätig. „Ich habe sie nie gekannt, aber mein Vater sagte immer, dass ich meiner Großmutter sehr ähnlich sei“, erzählt sie. Mit der Enthüllung das Grabsteins könne ihre Großmutter nun Ruhe bei ihrer Familie finden.

Luise Straus-Ernst war die erste Ehefrau des Surrealisten Max Ernst, nach vier Jahren trennte sich das Paar. Die gemeinsame Wohnung wurde schnell zum Zentrum der dadaistischen Bewegung in Köln.

1917 hatte Luise als erste Frau an der Uni Bonn in Kunstgeschichte promoviert. In demselben Jahr kuratierte sie eine Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum über Kriegsdarstellungen – die Schau zeigte die Schrecken des Krieges, wurde jüngst rekonstruiert und ist aktuell erneut dort zu sehen.

Rezitatorin liest aus Straus-Ernst Leben vor

Bei der Zeremonie in der Trauerhalle des jüdischen Friedhofs las Ute Remus, Autorin und Rezitatorin, aus „Nomadengut“, den Lebenserinnerungen von Luise Straus-Ernst. Diese beschreibt darin ihre Zeit im französischen Exil, ihr banges Warten auf ein Visum für die USA, ihre Einsamkeit, ihre Angst. Deutlich wurden jedoch auch ihre innere Stärke und ihr Versuch „aus dem Jetzt so viel Gewinn wie möglich zu ziehen“.

Dr. Jürgen Pech, wissenschaftlicher Leiter am Max Ernst Museum in Brühl, trug im Anschluss eine fiktive Geschichte der Autorin über Albrecht Dürer vor, in der es um Enttäuschung und Hoffnung ging. Auch Luise habe bis zum Schluss gehofft, dem Konzentrationslager doch noch zu entgehen. Die starke Frau war jedoch eigensinnig: Das Angebot von Max Ernst etwa, sie erneut zu heiraten, um ein Visum zu erhalten, schlug sie stolz aus. 1980 begann die Wiederentdeckung der vielseitigen Künstlerin, die in der Weimarer Republik auch Reden für Konrad Adenauer geschrieben hatte. „In ihrem Werk gibt es noch viel zu entdecken“, sagt Dr. Jürgen Pech.

Verständnis für Herrn Schulz

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Martin Häusler präsentiert Buch über den Kanzlerkandidaten

in: Kölnische Rundschau, 24. Juni 2017

Köln. Ende Januar zeigte der Spiegel Martin Schulz als „Sankt Martin“ – der Beginn des Hypes um den SPD-Kanzlerkandidaten. Kurz darauf begann der Journalist Martin Häusler mit seinem Buch „Verstehen Sie Schulz“, das er jetzt in der Buchhandlung Blücherstraße vorstellte. „Ich wollte keine weitere Schulz-Biographie verfassen“, sagte er.

Es sei ihm um die Psychologie des Familiensystems gegangen, um die „formgebenden Kräfte“ – dazu sprach er mit Schulz, mit dessen Geschwistern, Weggefährten, aber auch Psychologen und Psychoanalytikern. Eine zentrale Rolle bei den Recherchen spielte Walter Schulz, der ältere Bruder des Kandidaten und selbst SPD-Politiker in Köln. Im Dialog mit dem Autor gab er den Zuhörern Einblicke in die Familiengeschichte.

Überforderung trieb Schulz in die Alkoholsucht

Die erfuhren, wie traumatisch der plötzliche Tod des Großvaters für die Familie gewesen sei – nur anderthalb Tage nach der Geburt von Martin Schulz, der dann dessen Vornamen erhielt. Prägend auch die dominante Mutter, Adenauer-Fan und verhinderte Politikerin, die nichts mehr liebte als hitzige politische Debatten am Essenstisch, während der Vater lieber Musiker als Polizist geworden wäre. Lange habe Martin Schulz mit seinem unausgesprochenen „Familienauftrag“ gerungen, die verpassten Möglichkeiten der Eltern zu verwirklichen.

Die resultierende Überforderung habe ihn in die Alkoholsucht getrieben, von der er sich nach einem Klinikaufenthalt befreien konnte. Das Bild, das Häusler von Martin Schulz entwirft, ist überzeugend und facettenreich, nur nicht immer ganz frei von Pathos. Um Wahlkampf gehe es ihm nicht mit dem Buch, so Häusler, sondern darum, Martin Schulz in seinem Werden verständlicher zu machen. Als Walter Schulz erzählt, wie wichtig dem Bruder Familie, Heimatstadt und Austausch mit den Menschen seien, fügte sich das in die vorherigen Schilderungen – so ein bisschen Wahlkampf war es am Ende aber dann doch.

Solidarität mit London

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1500 Menschen gedachten der Opfer und zeigten Flagge für Europa

in: Kölnische Rundschau, 5. Juni 2017

Köln. Zu Beginn wurde es ganz leise. Die pro-europäische Demonstration „Pulse of Europe“ begann ihre Veranstaltung am Sonntag auf dem Roncalliplatz mit einer Schweigeminute für die Opfer der Terrorangriffe in London. In der Nacht zuvor waren auf der London Bridge und am Borough Market mindestens sieben Menschen getötet worden.

Auf Grund der bevorstehenden Parlamentswahlen sollte Großbritannien ohnehin Thema der 13. Kundgebung in Köln sein. Anja Siepmann, die gemeinsam mit Uwe Bröcking moderierte, warnte davor, auf den Terrorismus mit totalitärem Denken zu reagieren.

Anschließend lauschten die etwa 1500 Teilnehmer den Rednern auf der offenen Bühne. Willi Does, Vorsitzender von Emmaus Europa, bekräftigte: „Wir sind der Pulsschlag Europas“, wies gleichzeitig aber darauf hin, dass „wir den Zugang nach Europa oft nicht zulassen“. Er forderte eine „solidarische Ökonomie“ und ein „Europa für alle“.

„Die freieste Generation, die je gelebt hat“

Gabriel Baunach hob in seiner Rede darauf ab, dass sich seine Generation – die 20- bis 30-Jährigen – bislang zu wenig für die europäischen Werte einsetze. „Wir sind die freieste Generation, die je gelebt hat“, sagte er und schloss mit der Frage: „Wissen wir eigentlich, wie gut es uns geht?“

Die Kundgebung findet seit Mai nicht mehr wöchentlich, sondern jeweils am ersten Sonntag des Monats statt. Am Sonntag waren deutlich weniger Menschen gekommen als zuvor. „Vielleicht hat das mit dem neuen Termin oder den Pfingstferien zu tun“, sagt Heidi Unkelbach. Sie finde es nach wie vor wichtig, teilzunehmen:

„Da kann die schweigende Masse einmal zeigen, wie viele sich für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen.“ Und auf die Frage, warum sie gekommen sei, antwortet eine 80-Jährige: „Ich habe den Zweiten Weltkrieg voll miterlebt. Jetzt fragen Sie mich nochmal, warum ich heute hier bin.“

Groẞstadtstille

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in: KölnerLeben, Juni/Juli 2017

Zum Stadtbezirk Mülheim gehört das Veedel Dünnwald. Dort sind Vergangenheit und ehrenamtliches Engagement sehr vital.

Wer sich mit dem Stadtteil im Nordosten der Stadt befasst, dem begegnet die Geschichte auf Schritt und Tritt: Die Anfänge gehen zurück auf eine Klostergründung im Jahr 1117, sodass Dünnwald in diesem Jahr sein 900-jähriges Bestehen feiert. Der hier beheimatete Wildpark ist Anziehungspunkt und Naherholungsgebiet, auch für viele Besucher aus Köln und Umgebung. An schönen Wochenenden besuchen zahlreiche junge und alte Spaziergänger die Tiere, füttern Wildschweine und Damwild und betrachten staunend die vom Aussterben bedrohten Wisente. Gefragt, was Dünnwald für sie ausmache, antwortet eine 68-jährige in Dünnwald wohnende Besucherin entschieden: „Die Großstadtstille!“

Das Waldbad Dünnwald liegt gleich neben Wildpark, Campingplatz und Minigolfanlage. Auch hier tauchen Besucher in die Geschichte ein. 1923 gegründet, ist es bis heute das älteste – und einzige – Kölner Schwimmbad in privater Trägerschaft. In den Sommermonaten kühlen sich die Schwimmer in den Becken ab. Immer wieder spielen dort Kölschrock-Bands wie die Brings und die Bläck Fööss, und der Biergarten ist bei gutem Wetter ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt.

Generationen verbinden, Netzwerkarbeit verstärken

Ein Blick in die Statistik zeigt: In Dünnwald wohnen überdurchschnittlich viele unter 18-Jährige und gleichzeitig überdurchschnittlich viele Menschen, die älter als 65 Jahre alt sind. Die „Alteingesessenen“ leben oft seit mehreren Generationen in dem rechtsrheinischen Stadtteil. „Wir bemühen uns daher sehr um generationenverbindende Angebote“, sagt Pater Ralf Winterberg, Sozialpädagoge und Priester der Gemeinde Heilige Familie Dünnwald-Höhenhaus. Bei ihm laufen viele Fäden im Veedel zusammen. Eine seiner wichtigsten Aufgaben sei es, die zahlreichen Initiativen miteinander zu vernetzen.

Bei der von Bürgerinnen und Bürgern getragenen Flüchtlingshilfe etwa funktioniere das sehr gut, sagt Pater Ralf. Sie erhalte von der Gemeinde Räume, Autos, und neben Geld auch Hilfe bei der Koordination der Ehrenamtler. Freiwillige Helfer sind es auch, die das „BringMich“-Mobil der Gemeinde betreiben. Dünnwalder, die selbst nicht mehr mobil sind, können den Fahrdienst kostenlos nutzen. Allerdings sei der Zuspruch eher verhalten, sagt Pater Ralf. Das liege möglicherweise auch daran, dass Interessierte sich einige Tage im Voraus melden müssen.

„Eine intensive Netzwerkarbeit wäre insbesondere für das Quartier Donewald wichtig“, erzählt Gerhard Still, Geschäftsführer der Christlichen Sozialhilfe Köln. Dort wohnen vor allem Senioren und Familien mit Kindern. Für sie bietet die 1996 auf der grünen Wiese gebaute Siedlung kaum Infrastruktur. Arztpraxen oder auch nur ein Lebensmittelgeschäft sucht man dort vergebens. Eine Eisenbahnlinie trennt Donewald vom übrigen Dünnwald und wirkt wie eine Grenze. Hier gelte es, Brücken zu bauen, gerade für ältere Menschen. Eine Stelle für seniorenbezogene Quartiersarbeit sei zwar bereits finanziert, aber derzeit vakant.

Erfolgreiches Engagement von Jung und Alt

Ein Beispiel für gelingende Stadtteilarbeit ist das Café „mittendrin“, zentral an der Berliner Straße gelegen. Unter dem Slogan „Butterbrote und Begegnung“ gründeten vor acht Jahren engagierte Dünnwalder Bürger mit Unterstützung der örtlichen katholischen und evangelischen Kirchengemeinden die Begegnungsstätte. Heute sind etwa 40 Ehrenamtler, die meisten von ihnen älter als 65 Jahre, dort regelmäßig aktiv. Im Café treffen sich die Generationen, die älteren Dünnwalder regelmäßig auch zu Gesprächskreisen, Trauergruppe oder Tanzkurs. „Wir haben hier wirklich eine bunte Mischung an Leuten“, sagt Ehrenamtsentwickler Burkhard Brücker, der das Café leitet und die Helfer koordiniert.

Seit 2014 gibt es eine Demenz-Wohngemeinschaft in Dünnwald. Senioren werden hier von einem Pflegedienst ambulant betreut, nach dem Motto „nicht allein und nicht ins Heim“. Ins Leben gerufen hat das Wohnprojekt die Antoniter Siedlungsgesellschaft (ASG) des evangelischen Kirchenverbands Köln und Region. Eine auf alternative Wohnformen spezialisierte Agentur hilft bei rechtlichen und organisatorischen Fragen. Eine Besonderheit der Demenz-WG: Die Angehörigen der momentan acht Bewohner gestalten das Projekt intensiv mit, haben Mitspracherecht bei allen Fragen rund um Betreuung und Versorgung ihrer Verwandten.

Doch auch die Jungen sind aktiv in Dünnwald. Markus Wernet, 25, kam eher aus Zufall mit dem nordöstlichen Stadtteil in Berührung. Als der technikbegeisterte Student erfuhr, dass das 1929 errichtete Bahn-Stellwerk an der Rönsahler Straße stillgelegt ist, entschloss er sich, dort ein Museum für Eisenbahntechnik zu errichten – das erste in Deutschland. „Wir wollen unsere Begeisterung für die Technik weitergeben“, erläutert Wernet. Das Museumsprojekt und die örtlichen Initiativen zeigen: Nach 900 Jahren ist die Geschichte Dünnwalds noch längst nicht zuende.

Der Kultur auf der Spur

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in: Kölnische Rundschau, 21. Mai 2017

Köln. In der Sonne glitzern die Sandkörnchen, die im Wasser der schwarzen Waschschüssel umherwirbeln. „Wenn man das richtig macht, werden die Sandkörner getrennt und alle schwereren Teilchen sinken nach unten“, erklärt Dr. Rolf Hollerbach vom GeoMuseum der Universität, während er die Waschschüssel in das große, rote Becken taucht und die Technik demonstriert.

Am Paula-Kleinmann-Weg sind Kinder und Eltern auf Schatzsuche, aus dem gewaschenen Sand picken sie mit einer Pinzette die wertvollen Materialien heraus, Goldkörnchen und kleine Edelsteine.

„Ich hatte auf einem Plakat von der Aktion gelesen“, sagt Manuel Amian (38). Seine Kinder Peer (5) und Romi (7) schwenken die Waschschüssel wie die Goldschürfer im Wilden Westen. „Ich habe zu Hause eine Edelsteinsammlung“, erzählt Romi stolz – und freut sich, dass sie ihre Fundstücke mitnehmen darf.

Die Goldsuche war eine der vielen Aktionen, die es am Sonntag beim 21. Museumsfest zu entdecken gab. Mehr als 20 Kölner Museen öffneten unter dem Motto „Spurensuche. Mut zur Verantwortung“ ihre Türen für die Besucher. Anlässlich des Internationalen Museumstags boten sie Sonderführungen durch die Ausstellungen, Vorträge, aber vor allem viele Mitmachaktionen für die ganze Familie.

Im Museum für Ostasiatische Kunst etwa drehte sich alles rund um die Seide. „Wir erklären , wie aus dem Kokon der Seidenraupe der Stoff entsteht“, sagt Museumspädagogin Irene Ellegiers. „Aber natürlich können hier Jung und Alt auch selbst aktiv werden.“ Beim Origami, der japanischen Kunst des Papierfaltens, erstellten Pänz und ihre Eltern etwa bunte Schmetterlinge und Dosen. „Darin werden die Seidenfäden des Kimonos aufbewahrt, nachdem sie fürs Reinigen der Kleidung entfernt worden sind“, erläutert Ellegiers. „Ich liebe Basteln“, sagt Katharina (7), die mit ihrer Oma in das Museum am Aachener Weiher gekommen ist und gerade an einer Kimonopuppe arbeitet.

Die Kinder konnten dort auch ausprobieren, wie es sich anfühlt, die traditionelle Seidenrobe einmal selbst zu tragen. Beim richtigen Anziehen half Hôkô Tokoro, eine Flechtmeisterin aus Japan. So wurden Geschichte und Kultur beim Museumsfest auf vielfache Weise spürbar.

– Quelle: http://www.rundschau-online.de/26942104 ©2017

Feierabend auf Deck

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in: Kölnische Rundschau, 15. Mai 2017

Auf dem Freideck der MS Loreley lassen sich die Passagiere in Liegestühle fallen. Ein Paar stößt mit Prosecco an, zwei ältere Herren lassen ihre Kölschgläser klirren, drei junge Frauen nippen an bunten Cocktails. Im Hintergrund dezente Lounge-Musik, einige Palmen stehen auf dem grünen Boden des Decks, Steaks und Spieße brutzeln auf dem Grill.

Der Motor des Rheinschiffs wummert, und pünktlich um acht Uhr abends holen die Mitarbeiter der Köln-Düsseldorfer die Gangway ein, die vom Nieselregen etwas feucht ist. Alles ist bereit zum Start in die zweistündige Panoramafahrt, die die KD neuerdings jeden Montag bis Donnerstag fpr 17,60 Euro pro Person anbietet. Sie führt vom Pegel in der Altstadt bis zum Rheinbogen bei Weiß und zurück. Alles ist bereit. Oder besser: fast alles. Denn ebenso pünktlich um acht Uhr abends wächst das Nieseln von eben zu einem ausgewachsenen Regenguss an. Während der nächsten zwei Stunden trommeln die Tropfen unnachgiebig auf das Dach über dem Freideck.

Der Regen strömt seitlich am Dach vorbei, niemand sitzt an den Tischen direkt an der Reling. Die Mitreisenden rücken in der Mitte des Decks zusammen. Kurz nach dem Ablegen stimmt eine etwa 15-köpfige Reisegruppe aus Japan ein fröhliches „Happy Birthday“ an, einige Passagiere schmunzeln, andere singen mit.

„Hier kann man das ganze Geschehen mal von außen betrachten“, sagt Carolin Peters (24). Und ihre Kollegin Maren Hachmeister (29) ergänzt: „Naja, das Wetter könnte besser sein. Ich finde es trotzdem schön, man fährt so entspannt in den Abend hinein.“ Sie würde gerne auch mal Richtung Norden schippern, nach Grönland oder Island, erzählt sie. Doch jetzt gleitet die MS Loreley erst einmal gemächlich rheinaufwärts Richtung Süden, bei etwa 15 Kilometern pro Stunde zieht sie an den Kranhäusern im Rheinauhafen vorbei.

„Wir wollen unseren Gästen etwas Entschleunigung im Alltag bieten, in lockerer Beachclub-Atmosphäre“, sagt Nicole Becker, Pressesprecherin der KD. „Von 0 bis 100 Jahren kann jeder mitfahren“, sagt sie. Klar, das Wetter sei heute nicht optimal. „Das ist das einzige, was wir nicht beeinflussen können.“ Zugelassen ist die MS Loreley für 600 Personen, bei guter Auslastung seien 200 bis 300 Passagiere an Bord, erklärt Becker. Heute fahren nur etwa 90 Gäste mit, einige von ihnen auf Einladung der KD. Schließlich will sie das Angebot bekannt machen, seit Ostern gibt es die Mini-Kreuzfahrt auf dem Rhein.

Inzwischen ist es dunkel, die meisten Gäste sind unter Deck. „Die beleuchteten Häuser am Ufer – das kann man auch von hier aus genießen“, sagt Tobias Zimmermann (29). Sein Bekannter Pascal Frensch (24) arbeitet für ein Hotel. „Ich muss mir ja einmal anschauen, was ich meinen Gästen empfehle“, sagt er. Im Speisesaal weiter vorne im Schiff sitzt ein älteres Ehepaar aus England. „Wir leben seit 16 Jahren in Spanien und sind hier in Urlaub“, sagt Marilyn Burgum. Ihr Mann Charles war zuletzt 1950 mit der British Army in Köln. Jetzt wolle er sehen, wie sich die Stadt seither verändert hat. „Pretty“ finden sie die Aussicht, und „very relaxed“ sei die Kreuzfahrt im Kleinformat. So wirken die meisten Passagiere, als die MS Loreley nach zwei Stunden wieder in der Altstadt anlegt. Es regnet noch immer. Aber wenn das Wetter mitspielt, klappt es sicher auch mit der Beachclub-Atmosphäre.